Ehrt den Obstbaum!


mundraub wäre nicht mundraub, wenn unsere Lieblingspflanze nicht der Obstbaum wäre. So nahmen wir den Ehrentag der Pflanze zum Anlass, dem größten Apfelbaum der Rhön einen Besuch abzustatten.

Apfelattraktion

Der aufmerksame Wanderer bemerkt ihn vielleicht: Ein prächtiger, alter Apfelbaum auf einer leicht abschüssigen Wiese im bayrischen Biosphärenreservat am Rande des Rhönrundwegs. Von der Straße aus könnte man ihn für einen ganz gewöhnlichen Obstbaum halten. Geht man jedoch näher heran, tritt unter die ausladenden Äste und blickt an dem dicken, gewölbten Stamm hinauf, wird offensichtlich, wie groß und alt er wirklich ist. Über dem Stamm, dessen Umfang 3,75 Meter beträgt, thront eine 18 Meter breite Krone. Und auch das Alter dieses Riesen ist bemerkenswert: Pomologen schätzen ihn auf gut 120 Jahre!

Mensch & Baum
Baum & Mensch

Wilde Herkunft

Ein Projektteam wurde bei Arbeiten an einer Dokumentationsreihe zur „Historischen Kulturlandschaft Rhön“ vor etwa zwei Jahren auf den mächtigen Apfelbaum in Frauenroth aufmerksam. Seine Entdeckung warf Fragen zur Herkunft und Sortenzugehörigkeit auf und führte zu intensiven Nachforschungen. Nach einigen erfolglosen Versuchen den Baum einer Sorte zuzuordnen, kamen Pomologen schlussendlich zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Frauenrother Apfelbaum um einen Wildling und somit eine genetisch neue Sorte handelt. Die Benennung in „Frauenrother Wilde“ lag nahe. 

Die durch ein hohes Maß an Streuobstwiesen geprägte Kulturlandschaft der Rhön ist damit um eine Apfelsorte reicher. Und damit das Erbgut des „Frauenroher Wilden“ auch über das Lebensalter des schon sehr alten Baumes hinaus erhalten bleibt, entnahm man ihm ein Reis und pfropfte es einem Jungbaum auf, welcher seit Dezember letzten Jahres im Streuobst-Sortengarten Hausen im Landkreis Rhön-Grabfeld zu finden ist.

Eine Prise Ehrfurcht

Der Besuch des größten Apfelbaums der Rhön hatte etwas sehr Beindruckendes. Mir vorzustellen, dass sich dieser Baum um das Jahr 1900 herum aus einem winzig kleinen Apfelkern heraus entwickelte, in die Höhe wuchs, erste Triebe, Äste, Zweige und schließlich eine Krone ausbildete, in die ich, rund 120 Jahre später, noch hinaufschauen kann, erfüllt mich mit Ehrfurcht vor der Natur. Ich bewundere die vielen kreuz und quer gewachsenen und mit Flechten bedeckten Zweige - übrigens ein Zeichen für gute Luftqualität. 

Der Baum treibt erste Blätter und Knospen, um ihn herum summt, flattert und krabbelt es. Ein kleiner Lebensraum für sich. Wenn es den Ehrentag der Pflanze noch nicht gäbe, so hätte ich ihn bei diesem Anblick mit Sicherheit erfunden.

Hintergrund

Der Ehrentag der Pflanze (engl. International plant appreciation day) wurde 1998 von der US-amerikanischen Schriftstellerin und Fotografin Marion Owen ins Leben gerufen. Der Leitgedanke: „Nimm dir einen Moment Zeit und stell dir eine Welt ohne Pflanzen vor“. 

Zum Ehrentag der Pflanze (©Helene Boppert)
Zum Ehrentag der Pflanze (©Helene Boppert)

Ideen, wie man an diesem Tag seine Wertschätzung gegenüber Pflanzen Ausdruck verleihen kann, reichen vom gemeinsamen Gärtnern, über das Ziehen von Sämlingen und das Pflanzen von Bäumen, bis hin zu einem Weihnachtsbaum im Blumentopf. Auch das Samentauschen, das Anlegen eines Pflanzenterrariums oder ein ausgedehnter Waldspaziergang gehören dazu.

Du bist dir noch nicht sicher, wie du die Pflanzenwelt an diesem Tag ehren möchtest? Lade doch einen Freund zum mundraub-Streifzug durch deine Nachbarschaft ein. Oder wie wäre es mit einer Extraportion Pflege für deinen Lieblingsmundraubfundort? Teile deine Ideen für Aktionen zum Ehrentag der Pflanze mit uns. Wir sind gespannt!                  

Quellen:

http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Der-groesste-Apfelbaum-de…

http://osthessen-news.de/n11546024/frauenrother-wilde-fand-im-streuobst…

http://www.plantea.com/international-plant-appreciation.htm

http://www.plantea.com/marion.htm