Treib, sprieß, blüh: Endlich Frühling!


Ob als Laie oder Profi: Pflanzenbeobachtung verrät viel über den jahreszeitlichen Stand der essbaren Landschaft. Hierbei schaut sich besonders ein Bereich der Klimaforschung, die Phänologie, also die Lehre der pflanzlichen Erscheinungen, die periodischen Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen und Tieren an. Dabei werden Frühling, Sommer, Herbst und Winter in zehn Jahreszeiten unterteilt, die an bestimmten Zeigerpflanzen festgemacht werden. Angefangen bei der Blüte der Haselnusssträucher im Vorfrühling über die Lindenblüte im Hochsommer bis zum Blattfall der Rosskastanie im Herbst: Jede Pflanze verrät uns etwas über die Standortbedingungen, Geschlechtsreife und die Vorgänge im Pflanzeninneren.

Summ, summ, summ

Austrieb der Haselnuss (@ H. Zell / CC BY-SA 3.0)
Austrieb der Haselnuss (@ H. Zell / CC BY-SA 3.0)

Langsam beginnen auch die Insekten zwischen den Blütenkelchen hin- und herzutänzeln. Während Wildbienen, wie die Hummeln, bereits bei 8°C aktiv werden, darf es für die Honigbienen gern etwas wärmer sein: Ihr Summen nimmt ab einer Temperatur von 12°C deutlich zu. Zur Versorgung des eigenen Nachwuchses legen die bald gelb gepuderten Ganzkörperbefruchter in ihrem Leben etwa 8.000 km zurück - zum Wohle der Pflanzen und des Mundräubers Ernteglück!

Ähnlich emsig sind die Phänologen: Allein für den Deutschen Wetterdienst arbeiten bundesweit etwa 1.250 ehrenamtliche Pflanzenbeobachter, die viermal wöchentlich, das heisst im Jahresverlauf insgesamt 168 verschiedene pflanzliche Entwicklungsstadien dokumentieren. Dabei sieht doch jeder, dass neben der Hasel bald auch Bärlauch, Kirsche und Apfel blühen und nun endlich der Frühling beginnt - wozu also der Aufwand?

Klima-angepasstes Obst in deiner Region

Hatschi! Erste Pollenspenderin des Jahres: die Hasel. (© H. Zell / CC BY-SA 3.0)
Hatschi! Erste Pollenspenderin des Jahres: die Hasel. (© H. Zell / CC BY-SA 3.0)

Die flächendeckende und synchrone Dokumentation von Wachstum und Sexualleben der Pflanzenwelt hilft die Zusammenhänge von Klima-Entwicklung, Pollenflug und Pflanzenbau besser zu verstehen. Durch die vergleichende Pflanzenbeobachtung werden Daten zusammengetragen, die untermauern, dass: 1. die Winter kürzer und milder werden, 2. die Hasel als eine der ersten Pollenspenderinnen des Jahres früher zu blühen beginnt und 3. die Trockenphasen zunehmen. Darüber hinaus sind jahreszeitliche Phäno-Daten nützlich für Pflanz- und Standortempfehlungen, was nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt der Klimaerwärmung manch vergessene und regional gut angepasste Obstsorte wieder interessant erscheinen lässt.

Hier eine Liste der wichtigsten Zeigerpflanzen und Entwicklungsstadien, anhand derer die 10 Jahreszeiten bestimmt werden können:

  • Vorfrühling: Haselnussblüte
  • Erstfrühling: Blattentfaltung der Stachelbeere
  • Vollfrühling: Apfelblüte
  • Frühsommer: Holunderblüte
  • Hochsommer: Lindenblüte
  • Spätsommer: Fruchtreife von Frühapfel und Vogelbeere
  • Frühherbst: Fruchtreife des Holunder
  • Vollherbst: Fruchtreife der Rosskastanie
  • Spätherbst: Blattverfärbung der Rosskastanie
  • Vegetationsruhe: Blattfall spätreifender Apfelsorten

Welche Pflanzen sprießen zur Zeit in deiner Region? Lassen sich erste Wildbienen beobachten und finden diese geeignete Nistplätze?

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Heutzutage ist es auch einfacher als zu meiner Jugendzeit, Vogelstimmen zu erlernen. Es gibt CDs/MP3s mit Klangbeispielen und natürlich DuRöhre, wenn man einen Gesang einmal verinnerlicht hat, macht das Wiedererkennen viel Spaß. Manche Versteckmeister (Nachtigall, Pirol, ...) hört man in bestimmten Gegenden oft und sieht sie praktisch dennoch nie.