Ursachen, Erscheinungsbild und Gegenmaßnahmen
Im Frühsommer sieht man seit einigen Jahren häufiger Apfelbäume in ein gespenstisch anmutendes weißes und klebriges Gespinst gehüllt. Ganze Astpartien, manchmal sogar der gesamte Baum, sind mit einem dichten, seidenartigen Gewebe überzogen, welche ihnen das Antlitz von Nornen aus der Anderswelt geben. Das ist das Machwerk der Gespinstmotte (Yponomeuta malinellus), oder auch Apfel-Gespinstmotte genannt.

Was sind Gespinstmotten?
Gespinstmotten sind niedliche kleine Schmetterlinge mit unschuldigen weißen Flügeln und schwarzen Punkten drauf. Die eigentlichen Verursacher der Gespinste sind jedoch nicht die Falter selbst, sondern ihre gelblich-graue Brut, die sich gesellig in Gruppen von bis zu mehreren hundert Raupen zusammenfindet und gemeinsam frisst. Der Name leitet sich von den auffälligen Nestern ab, in die sich die Raupen als Schutz vor Fressfeinden und Wettereinflüssen einspinnen.
Das Leben einer Gespinstmotte
Die Motte legt im Hochsommer zwischen 40 und 80 Eier auf der Rinde ab und bedeckt sie mit einem Sekret. Die Raupen schlüpfen schon im Herbst und überwintern unter der Sekretschicht. Im Frühling bohren sie sich dann in die jungen Blätter ein und beginnen im Maien fleißig Gespinste zu weben und die Blätter abzunagen. Der Höhepunkt des gespenstischen Fressgelages liegt zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Nach etwa sechs Wochen verpuppen sich die Raupen im Gespinst. Im Sommer schlüpfen dann die Falter, die dann wieder Eier legen. Das ganze Theater beginnt von vorn nach dem Motto: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Man kann ihnen aber einen Strich durch die Rechnung machen, also den Artikel bis zu Ende lesen!
Sind Gespinstmotten gefährlich?
Gesunde Apfelbäume, die im Saft stehen, erholen sich in der Regel gut von einem Befall. Nach dem Rückgang der Raupen treiben sie die sogenannten Johannitriebe nach der Sommersonnenwende aus und bilden wieder frisches Laub. Bei starkem Befall über Jahre jedoch, können geschwächte oder auch junge Bäume Schaden nehmen, wenn die ohnehin geringe Blattmasse auch noch durch die Biester weggefuttert wird.
Was kann man tun?
Man kann den kleineren Gespinstnestern und ihren Bewohnern mit Stab oder Stange zu Leibe rücken und sie herausdrehen. Wichtig ist, dass sie rückstandslos bzw. rücksichtslos entsorgt, also am besten den Flammen oder der Restmülltonne übergeben werden. Eine gute Möglichkeit ist es, nützliche Organismen zu fördern: bei Schmetterlingsraupen führt man das Bakterium Bacillus thuringiensis ins Feld. Es wird als Spritzbrühe auf die Gespinstnester aufgetragen und wirkt ausschließlich gegen Schmetterlingsraupen. Einfach nach Bacillus thuringiensis suchen und man findet entsprechende Produkte. Andere Insekten bleiben unbeeinträchtigt. Die Anwendung muss frühzeitig erfolgen, also solange die Raupen noch klein sind und das Gespinst noch nicht zu dick ist. Natürliche Feinde sind Meisen, Sperlinge und andere Singvögel. Diese fressen Gespinstmottenraupen sehr gerne. Also Nistkästen im Garten anbringen und das Umfeld naturnah bepflanzen. Ein singendes, klingendes Vogelparadies ist wirksamer als Spritzmittel und Scheiterhaufen.
Vorbeugende Maßnahmen im Winter
Beim Baumschnitt im Winter kann man sich mal die Rinde etwas genauer anschauen. Wenn sich flache, lackartige Eigelege der Gespinstmotte zeigen, diese mit einem Messer oder einer Bürste entfernen und man hält die nächste Generation Motten zahlenmäßig in Schach.