Commons vs. Drei Zwei Eins Meins


Genauso wenig wie die meisten Dinge nur schwarz oder weiß sind, lassen sich Güter nicht allein in privat und öffentlich einordnen. Lange Zeit suspendiert, aber seit Elinor Ostroms Nobelpreis im Jahr 2009 zurück in der Diskussion und Praxis sind die sogenannten Gemeingüter (Engl. Commons).

Naturerbe, Gemeingüter, Commons
Naturerbe, Gemeingüter, Commons

Zu ihnen zählen natürliche, kulturelle und soziale Güter, zu denen alle Menschen prinzipiell freien Zugang haben und die allen gehören. Von Luft und Wasser über Sprache und Jazz bis Linux und Wikipedia: Sie existieren ohne einen einzigen Urheber oder Rechte-inhaber und wurden uns von der Natur überlassen oder häufig über lange Zeiträume von anderen an uns weiter vererbt.

Selbst wenn in Deutschland fast alles irgendwem gehört, zählen zu den Gemeingütern auch viele nach gemeinsamen Regeln genutzte essbare Landschaften sowie das geteilte Wissen um allein 3.500 Obstsorten.

Allmende - Eigentum - Commons

Wenn Eigentum verpflichten soll, so ist es doch erstaunlich zu sehen, wie bundesweit und grenzübergreifend so viele Obstbäume von Menschen ungenutzt vor sich hin altern. Ist Streuobst nicht mehr systemrelevant - oder fängt mit solchen Begriffen der Schlamassel erst an? Die hohe Produktivität der Landwirtschaft geht mit billigen Nahrungsmitteln, Wohlstand und zugleich großen ökologischen und sozialen Problemen einher, deren Preis im globalen Anderswo und noch kaum in Jahresbilanzen fällig wird. Sie hat dafür gesorgt, dass hierzulande nur noch wenige Menschen in der Landwirtschaft arbeiten, wovon wiederum nur einige im Erhalt fruchtiger Streuobst-Ressourcen eine ökonomisch zu bewältigende Aufgabe sehen.

Mündige Bürger
Mündige Bürger

Selbstwirksam werden für die Obstallmende 2.0

Erst mit seiner Bedeutung für die Kulturlandschaft, den Naturschutz, ökologisch-regionale Ernährung und naturnahe Freizeit- und Lebensstile ist das wertvolle Streuobst wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Unter den modernen Vorzeichen einer offenen Internet-Architektur, nutzergenerierter Inhalte und freien Austauschs von Wissen erwacht die altbekannte Idee der Allmende zu neuem Leben.

Mit geschätzten 300.000 Hektar Streuobstbeständen bundesweit ließe sich tatsächlich ein guter Teil unseres Bedarfs an hiesigen Obstsorten decken. Die notwendige Arbeit ist allerdings aufwendig, die Verwertung auf unsere Wertschätzung und Unterstützung angewiesen. Hierfür müssten sich noch mehr Menschen mit Streuobst als Gemeingut identifizieren, sodass sich der Wert eines Wochenendes oder eines freien Nachmittags in fruchtiger Gemeinschaft an geschnittenen Bäumen, erforschtem Neuland und geschmeckter Vielfalt bemisst.

Essbare Gemeingüter fordern, dass wir uns selbst um sie kümmern, jenseits von Staat und Markt, nicht weil wir sie besitzen, sondern weil wir sie mit anderen teilen.